Prinzip 3: Individuum und Gesellschaft

„Die physischen, psychischen und spirituellen Potenziale von Individuen und von Gemeinschaften sollen in vollem Umfang genutzt werden.“

Das zentrale gesellschaftliche Werkzeug zur Erschließung und Entfaltung des menschlichen Potenzials ist das Bildungssystem. Es sollte auf einem ganzheitlichen Menschenbild gründen, d.h. Menschen auf allen Ebenen ihrer Existenz fördern.

Bildung weckt die Neugier, Unbekanntes zu erforschen und die Leidenschaft, wissenschaftlich-technische Innovationen zum Nutzen aller Lebewesen voranzubringen. Sie bedeutet dabei mehr als die Ausbildung konkreter Fertigkeiten; sie aktiviert und nutzt auch das innere Reservoir an geistigen Energien und Kompetenzen (Konzentrationsfähigkeit, Imagination, Empathie uvm.), schafft also die Grundlagen für effziente, am Gemeinwohl orientiert Wissensaneignung. Hinzu kommt eine seelische Komponente (s. nächster Absatz). Bildungseinrichtungen sollen integrale Bestandteile wie auch Motoren des sozio-ökonomischen Lebens sein.

Glückskompetenz: die spirituelle Komponente

Psychologische oder religiöse Begrifflichkeiten sind oft unklar und werden unterschiedlich definiert. „Seele“, „Spiritualität“, „Geist“ – die damit verbundenen Vorstellungen gehen wohl weit auseinander. Doch allen liegt eine gemeinsame Erfahrung zugrunde: die Erfahrung des Außergewöhnlichen, des nicht Erklärbaren, einer Wirklichkeit jenseits unserer Alltagswahrnehmung, wie sie immer wieder in Romanen und Filmproduktionen thematisiert wird. Die Psychologie hat innere Realitäten aufgezeigt, von denen Menschen im Alltag nichts spüren – vielleicht dringen sie in Träumen bisweilen an die Oberfläche – eine Vielzahl von Büchern und ungezählte Seminaren beschäftigen sich damit, die kaum wahrgenommenen Kräfte des Unterbewussten zu nutzen.

In PROUT ist der spirituelle Bereich im Menschen ein essentieller, integraler Bestandteil der individuellen Existenz. Ohne „Bewusst-Sein“ gibt es keine Existenz, wie jeder weiß, der einmal bewusstlos war. Die spirituelle Bewusstseinsebene ist ein riesiges inneres Universum, das Menschen bisher kaum entdeckt haben und dessen Erschließung so wichtig ist, weil hier tiefes Glück und ungeahntes geistiges Potenzial schlummern.

Individuum und Gesellschaft

Individuelle und gesellschaftliche Entwicklungen können sich gegenseitig befruchten. Niemand lebt völlig losgelöst von sozialen Einflüssen, andererseits wird das Bild einer Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft stark durch einzelne herausragende Persönlichkeiten, oder auch, im negativen Sinne, durch das Elend einzelner Bevölkerungsgruppen, geprägt. Es muss deshalb eine gesellschaftlich Maxime sein, alle mitzunehmen: nicht nur die besten zu fördern (auch wenn das theoretisch ausreichen würde, um intelligente Maschinen zu programmieren, während der große Rest von Grundsicherung leben würde). Eine Spaltung in Bildungs-Privilegierte und -Benachteiligte verstieße gegen dieses Synergieprinzip. Konkret ist dies etwa ein klares Bekenntnis zu Inklusion in der Bildung.

Kollektive Psychologie

Anhand der Eigenschaften einer menschlichen Körperzelle könnte niemand auf die Eigenschaften des menschlichen Organismus schließen. Eine Vielzahl von Zellen verbindet sich zu einem Ganzen, das allein aus der Summe seiner Einzelzellen nicht erklärbar ist (Synergie). Beim Verhältnis Individuum <> Gesellschaft gilt Ähnliches: in Gemeinschaften (Familien, Nationen, religiöse Gruppen u.v.m.) entwickeln sich ganz eigene Verhaltensweisen, es entstehen neue Prägungen, die wiederum das Lebens- und Denkmuster der Individuen innerhalb kürzester Zeit deutlich beeinflussen.

Trends breiten sich heute, in einer Zeit allgegenwärtiger Nachrichtenemission, in ungeahnter Geschwindigkeit aus. Als C.G. Jung seine Theorie vom kollektiven Unbewussten entwickelte, gab es keine Massenmedien oder sozialen Netzwerke im heutigen Sinne. In seiner Forschung sind es vor allem die Ahnen-Generationen, die das kollektive Unbewusste und damit auch jeden Einzelnen mitprägen. Diese Prägung findet heute viel direkter, viel intensiver statt. Gleich einem globalen Nervensystem intensivieren und vereinheitlichen vernetzte Medien heute die Entstehung kultureller und politischer Strömungen innerhalb einer Gesellschaft. Solche Prozesse innerhalb der Kollektivpsychologie müssten in ihrer gesellschaftlichen Relevanz intensiv untersucht werden.

Individuelle Entwicklung und Ökonomie

Das dritte Grundprinzip beinhaltet auch einen klaren emanzipatorischen Anspruch an die Wirtschaftsform. Mitbestimmung, Beteiligung und Verantwortung sind wesentliche Aspekte persönlicher Entfaltung. Die hierarchischen Betriebsstrukturen von heute werden diesem Anspruch nicht gerecht. Deshalb die PROUT-Forderung nach einer demokratischen Wirtschaftsform.