Der Glücksfaktor

„Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.“
Epikur

Dass Reichtum nicht glücklich macht, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber was dann? Natürlich: Gesundheit, eine erfüllende Partnerschaft, Erfolg im Beruf, gute Freunde, materielle Sicherheit … das Erreichen gesteckter Ziele … künstlerische Betätigung … doch wer kann schon von sich behaupten, dass es mit all diesen Dingen im Leben immer zum Besten steht? Dem einen gelingt mehr davon, dem anderen weniger. Diese Art von Glück ist von äußeren Umständen abhängig und wir haben es auch nur zum Teil selbst in der Hand. Wer ist schon sicher vor Unfällen, Krankheit, Wirtschaftskrisen oder unangenehmen Mitmenschen. Also ist Glück am Ende doch nur Zufall?

Wunschlos glücklich

Wie das Eingangszitat verdeutlicht, machten sich bereits die altgriechischen Philosophen Gedanken über das Glücklichsein. Bei einem Populärphilosophen unserer Tage, Dr. Eckart Hirschhausen, heißt es in seinen Betrachtungen zum Thema Glücklichsein auf seiner Webseite: Der Einfluss äußerer Lebensumstände [auf das Glücklichsein, JV] wird maßlos überschätzt.

Also, trösten wir uns: die vielen (wünschenswerten) Erfolge im Leben sind oft gar nicht entscheidend darüber, ob wir uns glücklich fühlen oder nicht. Ist vielleicht gar das Gegenteil der Fall? Eine britische Metastudie zum Thema Zufriedenheit aus dem Jahre 2014 kommt zu dem Schluss: Materialisten fühlen sich schlecht.

Es gibt manchen äußerlich erfolgreichen Menschen, der ewig unglücklich ist, weil ihm seine problematischen Charakterzüge im Wege stehen: krankhafte Eifersucht oder Ehrgeiz, Verlustangst, Habgier usw. So lange das Glücksempfinden an äußerlichen Errungenschaften haftet, ist das Unglück vorprogrammiert.

Glück ist ohne innere Harmonie und Klarheit nicht vollständig und nicht von Dauer. Die Grundlage für dauerhaftes Glück ist ein subjektiv empfundener, innerer Modus.

Individuelles Glück und Gesellschaft

Die Frage nach dem Glücklichsein ist von fundamentaler soziologischer Bedeutung. Denn unglückliche Menschen neigen u.a. zu Suchtverhalten. Dies wirkt sich besonders negativ auf die Leistungsfähigkeit von Menschen aus, aber auch auf ihre Beziehungen und ihr soziales Verhalten.

Das „Jahrbuch Sucht 2017“ der Bundesregierung nennt 3 1/2 Mio Deutsche, die von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit betroffen waren. Alkohol ist zudem „Gewaltbeschleuniger Nr. 1“ – laut Kriminalstatistik ist bei etwa einem Drittel der Gewalttaten zu viel Alkohol im Spiel. Hinzu kommt eine steigende Zahl von Tabletten-Abhängigen, 1200 Tote durch illegale Drogen und eine bisher kaum in ihren Langzeitwirkungen abzusehende Mediensucht besonders der jüngeren Generation. Die 120.000 Tabaktoten führen die Tabelle der drogenbedingten Todesfälle an.

Der volkswirtschaftliche Schaden geht also in die zig-Millarden, während sich das menschliche Leid nicht in Zahlen messen lässt. Natürlich hat Sucht viele Ursachen. Es steht jedoch außer Frage, dass ein rundum glücklicher Mensch nicht so schnell in eine Sucht hineinrutscht wie ein unglücklicher.

Glücksförderung

Das Streben des Menschen – genauer: sein Bedürfnis – nach Glück ist also ein sehr ernst zu nehmendes Thema und nicht nur für die Abendunterhaltung oder für philosophische Diskussionen von Bedeutung. Der Fortschritt einer Gesellschaft sollte nicht am Wirtschaftswachstum abgelesen werden, sondern am irgendwie messbaren Glücksempfinden seiner Bürger.

Beim individuellen Glücksempfinden kommen innere und äußere Faktoren zusammen. Ganz persönliche Anlagen und Lebensumstände wirken sich hier aus wie auch überpersönliche gesellschaftliche Trends und Umstände. Es gibt vieles, was die Gesellschaft leisten kann um ihren Mitgliedern ein glückliches Leben zu ermöglichen. Denn Glücklichsein ist zu jeder Zeit im Leben „erlernbar“.

Umfeld Förderung
Familie/Kindheit, Erziehung schulpsychologische Begleitung von Schulkindern in kleinen Klassen; soziale Kompetenzen, Spiel und Spaß an Aktivität in der Bildung, Kita-Ausbau, Kulturförderung, Therapieangebote; Programme für Medienkompetenz
Das innere Glückspotential: Bewusstsein, Willensstärke, innere Stille, Selbstvertrauen Meditation, spirituelle Übungen, Konzentrationstraining, Yoga … als Bildungsangebote
Gesundheit; Beruf/Arbeit, materielle Sicherheit, Gemeinschaft Förderung gesunder Lebensmittel und Lebensweisen; großzügige medizinische Versorgung; saubere Umwelt; stabile ökonomische Verhältnisse und ausreichendes Einkommen, humane Arbeitsbedingungen;, Gemeinschaftseinrichtungen