Evolution des Bewusstseins

„Ich habe, glaube ich, die Zwischenstufe zwischen Tier und Homo sapiens gefunden. Wir sind es.“
Konrad Lorenz

rabbit mask hipster man in the city

Es gibt wirklich schlaue Tiere.
Zugvögel, die tausende von Kilometern zu ihren Nistplätzen fliegen oder Schildkröten, die durch die Ozeane ziehen um an einem ganz bestimmten Ort am anderen Ende der Welt ihre Eier abzulegen. Spinnen, die komplexe Jagd- oder Überlebensstrategien entwickeln. Primaten, die Werkzeuge bedienen. Es gibt unter manchen Tierarten ein hoch entwickeltes Sozialverhalten, es gibt Sprach- und Lautmuster, die der Kommunikation dienen. Worin unterscheidet sich der Mensch nun so entscheidend vom Tier?

Menschen bekommen nie genug.

Anders als Tiere scheinen Menschen nie lange mit ihrem Status Quo zufrieden zu sein – eigentlich eine banale Aussage. Doch die Konsequenzen reichen weit.
Es soll halt immer noch ein bisschen besser, schöner, angenehmer sein. Oder schneller, höher, weiter; wohlhabender, erfolgreicher, mächtiger. Manche Menschen vergrößern ein Leben lang ihr Bankkonto oder verschönern ihr Heim. Andere reisen auch noch zu den letzten nicht besuchten Orten und Gipfeln dieser Welt (in der Geschichte oft mit Schwertern). Wieder andere erweitern ihren Horizont: lesen, forschen, entwickeln oder sind künstlerisch tätig. Der Drang nach Mehr durchzieht die gesamte menschliche Zivilisationsgeschichte. Er hat uns an den kritischen Punkt gebracht, an dem wir heute stehen – mit allen Errungenschaften und allen zerstörerischen Tendenzen.
Es wäre zu einfach, diesen inneren Antrieb den gesellschaftlichen Umständen zuzuschreiben oder auf archaische Urwaldgesellschaften als Alternative hinzuweisen. Wir müssen uns mit diesem Aspekt der menschlichen Natur auseinandersetzen, ihn verstehen und ihm seine zerstörerische Kraft nehmen.

Menschen wissen, was sie tun. Und noch viel, viel mehr.

Menschen besitzen die Fähigkeit zur Reflexion. Mit anderen Worten: sie besitzen Bewusstsein, die Wahrnehmung ihrer selbst. Auch Schimpansen erkennen sich selbst in einem Spiegel – ebenso ein Zeichen von Bewusstsein, aber es ist geringer entwickelt. Menschliches Bewusstsein ist die große neue Kraft in der Evolution des Lebens.

Doch Bewusstsein bedeutet nicht nur die Fähigkeit zur Wahrnehmung der eigenen Existenz. Es dient auch als innere Reflexionsfläche für die Außenwelt. Es versetzt uns in die Lage unsere Umwelterfahrung zu transzendieren: Das Bild, das wir von der Welt haben, ist nicht mehr nur durch direkte Sinneserfahrung geprägt, sondern viel stärker durch unser Wissen über die Welt. Ähnliches gilt für die zeitliche Wahrnehmung: Das JETZT haben wir gelernt zu transzendieren, wir leben gedanklich fast schon mehr in Vergangenheit oder Zukunft als in der Gegenwart.
Hier ist eine Ebene der Meta-Kognition entstanden, die Tieren nicht oder nur schwach ausgeprägt zur Verfügung steht.

Bewusstsein erweitert die Grenzen des Ich

Wir spüren etwas Größeres als die Welt, die wir sehen, doch welches sind die Mittel um es zu manifestieren?

Ein Bewusstsein, das alles möglich erscheinen lässt, ruft das unablässige Momentum nach Erfüllung durch Expansion in uns hervor. Wir sollten lernen mit dieser Kraft besser umzugehen. Wenn wir fortfahren sie durch Materielles, durch Äußerlichkeiten befriedigen zu wollen, enden wir in der krankhaften Gier, die uns in einer begrenzten und fragilen Welt angesichts unglaublicher technischer Möglichkeiten irgendwann in die Katastrophe führen wird. Der tief verwurzelte Wunsch nach Expansion kann dauerhaft nur durch eine Ausdehnung des Bewusstseins befriedigt werden, denn genau hier entsteht diese Sehnsucht. Wer eine lebendige Verbindung zu den tieferen Dimensionen der eigenen Psyche pflegt, findet das erfüllende Moment der Expansion im eigenen Bewusstsein.