Demokratie in der Wirtschaft

Wirtschaft und Erwerbstätigkeit prägen unser Leben stärker als jeder andere gesellschaftliche Bereich. Doch gerade hier findet Demokratie, das Credo der westlichen Welt, nicht statt. Eigentümer und Kapitaleigner entscheiden, oft anonym und aus der Ferne, über das Schicksal Tausender, oft ganzer Regionen. Die Politik übt sich im Ausbügeln von Missständen und groben Verstößen. Höchste Zeit, demokratische Zustände in der Wirtschaft herzustellen – im Großen wie im Kleinen.

Betriebsverfassungsgesetz: ein bisschen Demokratie

Dem heutigen Betriebsrat werden durchaus nennenswerte Mitspracherechte eingeräumt. Nach einer Erhebung von 2014 sind in der Privatwirtschaft in Deutschland-West aber nur (oder immerhin?) 43 % der Beschäftigten und in Deutschland-Ost 33 % von einem Betriebsrat vertreten. Das wäre einerseits ein Schritt in die richtige Richtung, doch es bleibt eben auch bei diesem ersten Schritt. Außerdem zementiert die Institution eines Betriebsrats die Gegensätzlichkeit von Lohn- und Kapitalinteressen. Dieser Gegensatz durchzieht die Wirtschaftsgeschichte der letzten 200 Jahre und führt bis heute zu Konflikten aller Art mit teilweise dramatischen gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen. Erst wenn die Eigentümer eines Betriebs auch seine Mitarbeiter sind – oder umgekehrt – wird dieser fundamentale Konflikt aufgelöst.

Volle Mitbestimmung nur mit echter Beteiligung

Ein echtes demokratisches Mitspracherecht setzt die Beteiligung der Mitarbeiter am Betriebsvermögen voraus. Denn nur so werden auch die Risiken von Entscheidungen mit einbezogen. Erfolgsbeteiligung bedeutet eben auch Verlustbeteiligung, wenn es mal nicht so läuft wie geplant. Wir reden hier über das Genossenschaftsmodell als wesentliches Element einer neuen Ökonomie. Ab einer variablen Größe sollten Unternehmen genossenschaftlich organisiert sein.

Entflechten

Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern gehört, kann es nicht einem anderen Unternehmen gehören. Das Verschachern von Wirtschaftsbetrieben durch Investoren und Konzerne, immer einzig mit dem Ziel der Profitmaximierung, wäre Vergangenheit. Die Macht der Konzernzentralen, die heute über ihre Lobbyarbeit und ihre Entscheidungsgewalt über Millionen Arbeitsplätze das politische Geschehen nachhaltig beeinflussen, würde demokratischen Prozessen Platz machen.

Mikro und Makro

Doch eine Demokratisierung der Ökonomie bedeutet auch die Möglichkeit der breiten Bevölkerung den wirtschaftlichen Kurs mitzubestimmen. Im regionalen Rahmen würde dies etwa Entscheidungen über Industrieansiedlung oder Arbeitszeitentwicklung bedeuten; im nationalen oder globalen Rahmen könnten gewählte Gremien oder Regierungen sich über Vorgaben zur Technologieentwicklung einigen.

Ausblick

Solche Szenarien sind besonders im makroökonomischen Bereich Neuland und Patentrezepte wären hier und heute verfehlt. Es bleibt die Erkenntnis, dass sich die Menschheit ihre Geschichte nicht von einer Handvoll CEOs schreiben lassen darf und bessere Formen von Zukunftsgestaltung entwickeln sollte.