Perspektiven zur Entwicklung regionaler Wirtschaftskreisläufe

Auf das wirtschaftliche Sterben ganzer Regionen in den letzten Jahrzehnten erfolgte irgendwann eine Neubesinnung auf die Bedeutung der Region als Bewahrerin ursprünglicher Landschaften, menschlicher Lebensbezüge und lokaler Kulturen. Die EU gibt Fördergelder für regionale Projekte; am „Tag der Regionen“ präsentieren sich bundesweit Regio-Projekte, um nur einige Beispiele zu nennen. Um jedoch eine nennenswerte Verbesserung der Situation zu erzielen, werden die Bemühungen um die Region auf weitere, essentielle Aktionsfelder ausgeweitet werden müssen.

Rückenwind durch Energiegenossenschaften

in den letzten Jahrzehnten bekam die regionale Idee durch das Gesetz über erneuerbare Energien (EEG) enormen Aufwind. Es entstanden hunderte lokale Energiegenossenschaften, die, befeuert durch staatliche Förderung, viele kleine Energieprojekte umsetzten, deren Gesamtwert über die Jahre in die Milliarden geht. Die volkswirtschaftlichen Aspekte dieser Entwicklung wurden etwa durch das renommierte IOEW Institut untersucht Mit der schrittweisen Rücknahme der Förderung durch Änderungen am EEG kommt dieser Schwung nun zum Erliegen. Was bleibt, ist die Erfahrung gemeinsamen, kommunalen ökonomischen Handelns und die Einsicht, dass allein durch öffentliche Fördergelder neue ökonomische Strukturen entstehen können.

Neue Aktionsfelder

Wie kann Wirtschaft von unten wachsen? Dazu braucht es im Prinzip keine neuen Gesetze oder Verordnungen und nicht einmal Fördergelder. Im Bereich der Grundversorgung könnten viele Wirtschaftsaktivitäten aus dem globalen Warenverkehr herausgelöst und in die Hände der Bevölkerung gelegt werden. Das gilt für alle Geschäftsfelder, die folgende Bedingungen erfüllen:

  • niedrige Anfangsinvestition
  • geringe oder leicht verfügbare berufliche Qualifikation
  • gesicherter kommunaler Bedarf

Hier eine Übersicht möglicher kommunaler Geschäftsfelder – zusätzlich zu den erwähnten kommunalen, selbstorganisierten Energieunternehmen – die autonome Wirtschaftskreisläufe entstehen lassen können:

Landwirtschaft Lebens­mittel­verar­bei­tung Handel Handwerk
Diversifizierte Produktion für den lokalen Bedarf;
Abnahmesicher­heit durch lokal organsierten Einzelhandel
Molkereien
Mostereien
Mühlen
Kühlhäuser
Bäckereien
Teigwaren
Getränke
Dorfläden
Tauschplattformen
Einkauf­gemeinschaften
Crowd Funding
Lokalwährung
generell höherer Bedarf durch erhöhte wirtschaftliche Aktivität;
Recycling & Reparatur

Regionale Entwicklungsfonds

Neue Projekte brauchen Kapital. EU-Fördergelder sind hilfreich, doch es gibt eine weitere, viel größere Kapitalquelle. Die Energiegenossenschaften machen es vor: Privatleute investieren einen Teil ihres Vermögens in lokale Projekte anstatt es in unsichere globale Finanzmärkte zu geben. Es müsste also gelingen die Bevölkerung von den Vorteilen einer gesunden Regionalwirtschaft zu überzeugen und sie aktiv einzubinden.