Regio-Wirtschaft

Viele ländliche Regionen bluten wirtschaftlich aus, wenn Industrien sterben und Betriebe geschlossen werden. Der Exodus besonders der Jungen und Qualifizierten verstärkt die Abwärtsspirale, die Kaufkraft sinkt, bis kein Laden, kein Arzt und keine Bank mehr am Ort ist. Die EU kennt die Problematik und legt Förderprogramme für abgewirtschaftete Regionen auf. Doch anstelle angepasster, nachhaltiger Landwirtschafts- und Industriestrukturen entstehen oft reine Investitionsobjekte wie Tiermastfabriken, es werden Agrarkonzerne mit ihren großflächigen Monokulturen gefördert oder es wird Tourismusromantik zelebriert.

Wie können abgehängte Regionen ihre Vitalität zurückgewinnen?

Jede Region besitzt ihr eigenes Wertschöpfungspotential. Dieses gilt es zu erkennen und gezielt zu fördern um krisensichere, autonome Wirtschaftskreisläufe in ländlichen Regionen aufzubauen, in denen insbesondere die Dinge des täglichen Bedarfs erzeugt und gehandelt werden. Autonom bedeutet hier, dass die Kreisläufe weitgehend aus lokalen Resourcen gespeist werden.
Dieser Wirtschaftssektor benötigt vergleichsweise geringe Investitionen und fachliche Spezialisierungen. Die Grundidee ist: die lokale Bevölkerung organisiert ihre Selbstversorgung mit dem Grundbedarf des täglichen Lebens so weit dies eben möglich und sinnvoll ist. Die Region ist in ihrem guten Leben unabhängig vom Weltmarkt mit seinen Krisen und Schwankungen. Dies ist die gesunde Basis einer Volkswirtschaft.

Die Vorteile

  • Eine lokal orientierte Wirtschaft würde sich stärker am Bedarf der Bevölkerung orientieren. Bspw. würde mancher Dorflladen, der den großen Handelsketten längst zu unrentabel wäre, am Leben bleiben, wenn er von den Menschen vor Ort selbst betrieben würde.
  • Existentielle Abhängigkeiten würden reduziert: Rohstoff-/Energieversorgung, Standortentscheidungen anonymer Investoren und Konzerne, Finanzkrisen
  • Eine regionale „Kleinkonjunktur“ ist viel leichter steuerbar als etwa die nationale oder übernationale, bspw. durch Einführung einer Lokalwährung.
  • Es entstehen krisensichere Arbeitsplätze im Bereich der Grundversorgung: Lebensmittelproduktion und -verarbeitung, Bauwirtschaft, Handel sowie in allen Branchen mit klarem lokalen Bezug.
  • Das Leben „auf dem Lande“ würde wieder attraktiv.
  • Milliarden Transport- und Pendlerkilometer würden eingespart.
  • Es entsteht Raum für ökosoziale Vielfalt.
  • Lebendige Demokratie kann wachsen.

Exportwirtschaft und Hochtechnologie

Ökonomisch gesunde Regionen mit ihren autonomen, selbstversorgenden Wirtschaftskreisläufen bilden das Fundament der Volkswirtschaft, auf dem ein Wirtschaftssektor wachsen kann, der nicht lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen und Hochtechnologie produziert. Große Unternehmen – idealerweise als konzernunabhängige Mitarbeitergesellschaften – stellen modernste Technik her, und selbstverständlich auch für den Export. Überregionale, transnationale Kooperationen zwischen solchen Gesellschaften ermöglichen den globalen Austausch von Technologie auf einer fairen, gleichberechtigten Basis. Diese Art der Globalisierung vollzieht sich zwischen gleich starken, gleichberechtigten Kooperationspartnern, nicht unter dem Diktat mächtiger, global agierender Megakonzerne.

Mit Fragen der Umsetzung beschäftigt sich Teil II.