PROUT im Vergleich der Wirtschaftssysteme

Das kommunistische Modell ist gescheitert, diese historische Tatsache dient heute als Rechtfertigung für die Unantastbarkeit des kapitalistischen Systems. Dabei hat es seit den Anfängen der Industrialisierung auch ganz andere alternative Wirtschaftsformen gegeben und es gibt sie auch heute noch. Diese wurden von den Staatskommunisten genau so bekämpft wie von ihren kapitalistischen Antagonisten.
Einige solcher Konzepte finden sich in PROUT wieder, wie die Ideale der Genossenschaftsbewegung oder das Konzept dezentraler, regional verankerter und selbstverwalteter Wirtschaftsstrukturen, wie sie etwa auch im Denken Schuhmachers („Small is beautiful – Die Rückkehr zum menschlichen Maß“) oder Leopold Kohr („Die überentwickelten Nationen“) zu finden sind. Solche Ansätze sind sowohl dem kapitalistischen als auch dem staatskommunistischen Denken fremd.

Nachfolgend eine vergleichende Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Schematischer Vergleich der Systeme

KapitalismusStaatskommunismus PROUT
Unbegrenzter Reichtum für Wenige, existentielle Armut für Millionen. Tendenz zur Ungleichheit steigend (zunehmende Vermögenskonzentration).Im Vergleich bescheidene Privilegien der politischen Kaste, das Gros lebt auf niedrigem Wohlstandsniveau, jedoch keine lebensbedrohliche Armut.Dynamisches Modell:
- Vermögensbegrenzung
- Zusicherung eines stetig steigenden Grundbedarfs für Alle
- Leistungsfördernde Einkommensdifferenzen
Gewinninteresse als unternehmerischer Leistungsanreiz. Aussicht auf unbegrenzten Reichtum weckt Gier und fördert unlautere (ausbeuterische, illegale) Geschäftspraktiken.Kein Gewinninteresse, keine unternehmerische Leistung. Stattdessen Bürokratie und niedrige Wirtschaftskraft.Gemeinsames (geteiltes) Gewinninteresse schafft Leistungsanreize, lässt jedoch wenig Raum für Gier-Exzesse.
Global frei fließendes Kapital, nicht gebunden an gesellschaftlichen Nutzen, einziger Zweck: Profitmaximierung. Ermöglicht weltweite Einflussnahme auf Regierungen und Völker. Kapital wird zentralstaatlich verwaltet, fernab der Standorte seines Einsatzes. Bedarfsorientierter Kapitaleinsatz, an gesellschaftlichen Nutzen gebunden. Ein großer Anteil des Kapitals zirkuliert in autonomen regionalen Wirtschaftskreisläufen. Kein Kapitalabfluss aus den Regionen.
Formell Marktwirtschaft, doch der Marktmechanismus wird durch globalen Verdrängungs-wettbewerb vielfach ausgehebelt ("die Großen fressen die Kleinen"). Kartellgesetze berühren nur die Spitze des Eisbergs.Hierarchische Planwirtschaft, kein unternehmerischer Wettbewerb. Kein Effizienzdruck, schwache Wirtschaftsleistung.Keine grundsätzliche Beschränkung des Wettbewerbs. Verankerung in der breiten Bevölkerung schafft veränderte Situation durch gemeinsame Interessen von Produzenten und Konsumenten.
Größenbegrenzung für Unternehmen und Entflechtung von Konzernstrukturen sorgt für Chancengleichheit unter den Wettbewerbern.
Unternehmensgöße = gesellschaftliche Macht.
Einflussnahme auf Politik und Gesellschaft. Ausdehnung der kapitalistischen Strukturen auf alle gesellschaftlichen Bereiche (z.B. Sport, Grundversorgung)
Alle Macht liegt beim Staat (Partei). Komplette Durchdringung des gesellschaftlichen Lebens durch den Staatsapparat.Demokratische Strukturen erschweren ökonomische Machtkonzentration oder machen sie unmöglich. Einbettung der Ökonomie in regionale Strukturplanung.
Produktionsstrukturen einzig am Ziel der Profitmaximierung ausgerichtet ("Hemdenfertigung über fünf Länder verteilt"). Immense Umweltbelastung und Minderung der Lebensqualität (Beispiel "Verkehrswahnsinn")Große zentralisierte Industrieansiedlungen ohne Rücksicht auf lokale Gegebenheiten oder Umweltfragen.Dezentrale, an die Region angepasste Produktion wird gefördert wo immer möglich. Reduzierung der Transportwege. Klein- und Mittelindustrien lassen Raum für ökosoziale Vielfalt.
Die existentielle Abhängigkeit von Rohstoffen, Nahrungsmitteln, Finanzmitteln macht Regierungen erpressbar. Kriege und andere Interventionen zur Ressourcen­sicherung und um Absatzmärkte sind für das eigene Überleben unumgänglich.Der Hunger nach Rohstoffen erzeugte auch im früheren Sowjetblock Expansionsdrang.Möglichst weit reichende Selbstversorgung bsd in der Grundversorgung ist Leitlinie.
Großkonzerne können Synergien und Finanzkraft für Forschung und Entwicklung generieren. In großen Staatsunternehmen stehen viele Ressourcen für bestimmte Zwecke zur Verfügung (Rüstung). Diese fehlen in anderen Branchen.Aus überregionalen Kooperationen zwischen gleichberechtigten Partnern entstehen Synergien und Finanzierung für Großprojekte.
Technologieentwicklung dient der Profitmaximierung.Technologieentwicklung dient dem Staatsinteresse.Technologieentwicklung ist an gesellschaftlichen Nutzen gebunden und dient einem ganzheitlichen humanen Fortschritt.