Die Kooperativen von Mondragon

Wer über demokratische Alternativen zum heutigen Wirtschaftsgeschehen nachdenkt, kommt an den Genossenschaften von Mondragon nicht vorbei. In ihrer Größe und ihrem Erfolg ist dieser Genossenschaftsverbund der beindruckende Beweis dafür, dass Mitarbeiter-geführte Betriebe bei ihrem hohem Anspruch an soziale Fairness selbst im unbarmherzigen, globalen kapitalistischen Wettbewerb gedeihen können, ja überdurchschnittlich krisensicher sind und sich in puncto Innovation und Dynamik von herkömmlichen Kapitalgesellschaften nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Mondragon ist eine Kommune im Baskenland, in der 1958 die erste der heute über 100 Genossenschaften verschiedenster Größe und Ausrichtung gegründet wurde. Heute werden etwa 15 Mrd. EUR umgesetzt und in der ansonsten krisengeschüttelten spanischen Wirtschaft steht Mondragon nach wie vor stabil da.

Lesetipp

Eine detaillierte Darstellung der Entstehung und der Verbundstruktur des wachsenden Genossenschaftsverbands findet sich in einem Artikel des Contraste-Magazins aus dem Jahre 1984. Hier wird besonders das Potential des Kooperationsprinzips deutlich, wenn etwa beschrieben wird, wie nicht mehr lebensfähige Betriebe durch Beratung und Kapitalhilfen der genossenschaftlichen Banken entweder neue Geschäftsfelder eröffnen können oder die Mitarbeiter von anderen Kooperativen übernommen werden.

„No Rolls-Royces“

Ein Artikel im britischen Guardian aus dem Jahre 2013 beschreibt die Situation der „giant cooperative“ in den Krisenjahren. So wird beschrieben, wie in Schwierigkeiten gekommene Koops Lohn- und Gehaltskürzungen vereinbaren – die aber im Unterschied zu herkömmlichen Unternehmen besonders die Managergehälter betreffen, die immer an die niedrigsten Löhne gekoppelt sind (bspw. im Verhältnis von maximal 8:1). So werden Jobverluste und Konkurse weitestgehend vermieden. Wie ist das möglich? Die Wahrheit kann so einfach sein: „In Mondragon, nobody drives a Rolls-Royce.“

Wer sich für Details interessiert: das Internet ist voll mit Beiträgen über Mondragon, und natürlich unterhält die Mondragon Corporation auch ihre eigene Webseite und einen Youtube-Kanal.